Lyon gehört zu den großen Klinikstandorten Frankreichs, vor allem in drei Feldern: Onkologie, Transplantation und Hepatologie sowie Infektiologie. Hier sitzen die Hospices Civils de Lyon (HCL), das Universitätsklinikum (CHU) der Stadt, das Krebszentrum Centre Léon Bérard und die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO. Wer als Pflegefachkraft, Ärztin oder Physiotherapeut aus Deutschland oder Österreich überlegt, in welche französische Stadt es gehen soll, findet in Lyon Spitzenmedizin und Forschung Tür an Tür.
Die Kliniklandschaft in Lyon im Überblick
Dreh- und Angelpunkt sind die Hospices Civils de Lyon. Laut ihren Kennzahlen 2024 umfassen die HCL 13 Krankenhäuser, 5.141 Betten und tagesklinische Plätze sowie 24.073 Beschäftigte (Köpfe), darunter 5.606 im ärztlichen Dienst und 11.603 in Pflege und Rehabilitation. Das Klinikum bezeichnet sich selbst als „2. CHU Frankreichs“ (« 2e CHU de France »). Daneben deckt das Centre Léon Bérard einen großen Teil der Krebsmedizin ab, und im Stadtteil Gerland haben sich mehrere öffentliche und internationale Forschungsinstitute angesiedelt.
| Einrichtung | Schwerpunkte | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Hospices Civils de Lyon (Universitätsklinikum) | Alle Fachgebiete, Transplantation, regionale Maximalversorgung | 13 Krankenhäuser; 3.169 Einstellungen im Jahr 2024 laut Klinikum |
| Hôpital Louis-Pradel (HCL, Bron) | Kardiologie, Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie | Laut HCL mehr als 50 Herz- und Lungentransplantationen pro Jahr |
| Neurologische Klinik Pierre-Wertheimer (HCL, Bron) | Neurologie, Neurochirurgie | Parkinson-Expertenzentrum; 372 Betten und Plätze |
| Hôpital Femme Mère Enfant (HCL, Bron) | Geburtsklinik der Stufe 3, Pädiatrie | 4.170 Geburten im Jahr 2024 |
| Centre Léon Bérard | Erwachsenen- und Kinderonkologie, Sarkome | Mitglied von Unicancer; 507 offene Studien im Jahr 2025 |
Sie schwanken zwischen Lyon und einer anderen französischen Stadt? Suxens begleitet Gesundheitsfachkräfte mit EU-Abschluss bei der Vorbereitung ihres Umzugs nach Frankreich, von der Wahl der Stadt bis zum Antrag. Jetzt auf die Warteliste →
Krebsmedizin: das Aushängeschild der Stadt
Das Centre Léon Bérard ist eines der 18 Krebszentren im Verbund Unicancer. Laut seiner Institutionsbroschüre beschäftigte es 2025 insgesamt 2.424 Menschen, darunter 324 Ärztinnen und Ärzte sowie mehr als 600 Forschende, verfügte über 345 Betten und Plätze und behandelte 44.008 Patientinnen und Patienten, davon 11.317 neue. Versorgung und Forschung finden unter einem Dach statt.
Die Schwerpunkte sind klar umrissen: Sarkome und seltene Tumoren, solide Tumoren im Kindesalter und pädiatrische Strahlentherapie. Das Zentrum koordiniert NetSarc, ein vom französischen Nationalen Krebsinstitut (INCa) anerkanntes nationales Sarkom-Netzwerk, sowie EURACAN, das Europäische Referenznetzwerk für seltene solide Tumoren bei Erwachsenen. Außerdem besitzt es die INCa-Anerkennung für Frühphasenstudien bei Erwachsenen und Kindern, 2024 erneuert. In der Kinderonkologie verfügt das Institut für pädiatrische Hämatologie und Onkologie (IHOPe) über 52 Betten und Plätze, die sich HCL und Centre Léon Bérard teilen. Für onkologische Pflegefachkräfte und Fachärzte heißt das: Teams, die mit Studienprotokollen und komplexen Fällen vertraut sind.
Auch die Forschung prägt die Stadt. LYriCAN+, ein integriertes Krebsforschungszentrum von HCL und Centre Léon Bérard, wurde im Januar 2023 vom INCa erneut anerkannt, als einer von acht SIRIC-Standorten in Frankreich. Seit Mai 2023 arbeitet zudem die Internationale Agentur für Krebsforschung (Pressemitteilung auf Französisch), die Krebsagentur der WHO, in einem Neubau im Biodistrict Lyon-Gerland; 27 Staaten beteiligen sich an ihr.
Transplantation, Herz und Leber: die Spitzenversorgung der HCL
Die Transplantationsmedizin ist die zweite große Stärke. In Bron bündelt das Hôpital Louis-Pradel Kardiologie, Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie sowie Kinderkardiologie. Nach Angaben der HCL werden dort jährlich mehr als 50 Herz- und Lungentransplantationen durchgeführt; die Klinik hat rund 400 Betten und Plätze. Intensivstation, OP, Nachsorgesprechstunden für Transplantierte: Ein solches Programm braucht große, hoch spezialisierte Teams.
Für die Leber gibt es inzwischen ein eigenes universitäres Klinikinstitut. Das IHU EVEREST, ausgewählt im Investitionsprogramm France 2030, erhält von Mai 2024 bis April 2034 insgesamt 20 Mio. Euro für Forschung zu Virushepatitiden, Fettleber, hepatozellulärem Karzinom und Lebertransplantation. Unter den 19 IHU, die die französische Forschungsagentur ANR aufführt, ist es das einzige mit Sitz in Lyon.
Zwei weitere HCL-Häuser runden das Bild ab. Die neurologische Klinik Pierre-Wertheimer behandelt Schlaganfall, Multiple Sklerose, Epilepsie, Parkinson und Hirntumoren; sie beherbergt ein Parkinson-Expertenzentrum und zwei nationale Referenzzentren für seltene neurologische Erkrankungen. Das Hôpital Femme Mère Enfant, eine Geburtsklinik der Stufe 3, zählte 2024 genau 4.170 Geburten und hat 514 Betten und Plätze, ein guter Anhaltspunkt für Hebammen und Pflegekräfte in der Pädiatrie.
Infektiologie und Biotechnologie in Gerland
Lyon ist auch eine Stadt der Infektionsforschung. Das Internationale Zentrum für Infektiologie-Forschung (CIRI), 2013 von der Universität Claude Bernard Lyon 1, Inserm, CNRS und ENS de Lyon gegründet, vereint mehr als 20 Teams. In Lyon ist das Labor P4 Jean Mérieux-Inserm laut einer Inserm-Darstellung von 2014 ein Labor der höchsten biologischen Schutzstufe 4, das Krankheitserreger der Klasse 4 erforscht.
Rund um diese Labore koordiniert Lyonbiopôle, ein Wettbewerbscluster für Gesundheit, den Biocluster BCF2I zu neu auftretenden Erregern und Antibiotikaresistenz. Mit dabei sind Unternehmen wie Sanofi, bioMérieux und Boehringer Ingelheim, außerdem das CIRI, Bioaster und die HCL. Für Beschäftigte am Krankenbett bedeutet das: infektiologische Abteilungen mit enger Anbindung an die Forschung und mögliche Wege in die klinische Forschung.
Für welche Gesundheitsberufe?
- Ärztinnen und Ärzte: Abteilungen der Maximalversorgung (Transplantation, Hepatologie, Neurologie, Onkologie), klinische Studien und Forschungsinstitute.
- Pflegefachkräfte: Erwachsenen- und Kinderonkologie, Intensivpflege und Transplantationsnachsorge, Neurologie, Infektiologie.
- Hebammen: die Geburtsklinik der Stufe 3 im Hôpital Femme Mère Enfant und die Betreuung von Risikoschwangerschaften.
- Physiotherapeutinnen und Ergotherapeuten: Rehabilitation nach großen Operationen oder Transplantationen, Neurologie (Schlaganfall, Parkinson, MS).
- Aides-soignants: Allein das Universitätsklinikum steht für Tausende Stellen in der Pflege, verteilt auf 13 Krankenhäuser.
Nichts davon ist eine Jobzusage: Der Bedarf ändert sich von Abteilung zu Abteilung und von Jahr zu Jahr. Stellenangebote veröffentlichen die Einrichtungen auf ihren eigenen Websites.
Leben in Lyon
Lyon liegt am Zusammenfluss von Rhône und Saône in der Region Auvergne-Rhône-Alpes im Südosten Frankreichs. Die großen Kliniken liegen nicht alle im Zentrum: Mehrere HCL-Standorte, darunter Louis-Pradel, Pierre-Wertheimer und Femme Mère Enfant, befinden sich in Bron im Osten des Ballungsraums, die Forschungsinstitute dagegen in Gerland im Süden. Bevor Sie eine Wohnung suchen, prüfen Sie also, wo Ihre Wunschklinik liegt und wie Sie dorthin kommen.
Für die praktischen Schritte (Bankkonto, Krankenversicherung, die ersten Wochen) lesen Sie unseren Ratgeber zur Niederlassung in Frankreich und unseren Artikel zum Wohnen in Frankreich. Zum Verdienst gibt es einen eigenen Beitrag über Gehälter im Gesundheitswesen in Frankreich.
Vom Wunsch zum Antrag
Welcher Weg Sie zur Berufsausübung in Lyon führt, hängt von Ihrem Beruf und Ihrem Abschluss ab. Beginnen Sie mit dem Ratgeber zu Ihrem Beruf: Ärztin und Arzt, Pflegefachkraft, Hebamme, Physiotherapie, Ergotherapie oder Aide-soignant. Den Gesamtüberblick bietet unser allgemeiner Ratgeber: mit einem europäischen Gesundheitsabschluss in Frankreich arbeiten.
Die Stadt zu wählen, bevor der Antrag fertig ist, ist nicht verfrüht: Es hilft, sich das neue Leben vorzustellen, gezielt Kliniken auszuwählen und Bewerbungen zum richtigen Zeitpunkt abzuschicken. Wenn Sie Onkologie, Transplantationsmedizin oder Infektiologie reizen, gehört Lyon auf Ihre Liste.