Marseille steht vor allem für Infektionskrankheiten und Immunologie: Hier sind das IHU Méditerranée Infection, ein universitätsklinisches Institut für Infektionskrankheiten, und das Marseille Immunology Biocluster angesiedelt, das 2023 im Rahmen von France 2030 ausgewählt wurde. Hinzu kommen die Organtransplantation an der AP-HM sowie Krebsmedizin und Zelltherapien am Institut Paoli-Calmettes. Wer in Deutschland oder Österreich ausgebildet wurde und einen Standort in Frankreich sucht, findet hier Spitzenversorgung und Forschung unter einem Dach.

Überblick: die wichtigsten Einrichtungen

Im Zentrum steht die AP-HM, das Universitätsklinikum (CHU) von Marseille. Nach eigener Darstellung umfasst sie 4 Krankenhäuser und deckt alle Fachrichtungen für Erwachsene und Kinder ab; sie bezeichnet sich selbst als „le 3ème Centre Hospitalier Universitaire de France“, also als drittes Universitätsklinikum des Landes. Daneben steht das Institut Paoli-Calmettes (IPC), ein auf Krebsmedizin spezialisiertes Zentrum. Um beide herum arbeitet eine Forschungsgemeinschaft in der Immunologie mit der Universität Aix-Marseille, dem Inserm und dem CNRS.

EinrichtungSchwerpunktGut zu wissen
AP-HM (Universitätsklinikum)Transplantation, Onkologie für Erwachsene und Kinder309 Organtransplantationen im Jahr 2024 laut Jahresbilanz
Institut Paoli-CalmettesOnkologie, Knochenmarktransplantation, CAR-T277 vollstationäre Betten zum 31.12.2024
Marseille Immunology BioclusterImmunologie (Krebs, Autoimmun- und Infektionskrankheiten)2023 im Rahmen von France 2030 ausgewählt
Centre d'immunologie de Marseille-LuminyImmunologische ForschungInstitut von AMU, CNRS und Inserm, gegründet 1976
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Organtransplantation: die Stärke der AP-HM

In ihrer Bilanz für 2024 (auf Französisch) meldet die AP-HM 309 Organtransplantationen, darunter 23 bei Kindern und 78 Lebertransplantationen, was sie selbst als Rekord bezeichnet. Besonders ist die pädiatrische Transplantation: Sie verlangt Teams, die sowohl in der Transplantationschirurgie als auch in der Versorgung von Kindern zu Hause sind.

Für das Klinikpersonal bedeutet ein aktives Transplantationsprogramm eine ganze Kette von Einsatzbereichen: Koordination der Organspende, OP, Intensivstation, Intermediate Care und Nachsorgeambulanzen. Das Umfeld ist anspruchsvoll, man lernt schnell, Protokolle konsequent umzusetzen und interprofessionell zu arbeiten. Ärztinnen und Ärzte finden hier spezialisierte Referenzbereiche, Pflegefachkräfte und Physiotherapeuten komplexe Betreuung vor und nach dem Eingriff.

Krebsmedizin: Institut Paoli-Calmettes und AP-HM

Das Institut Paoli-Calmettes ist ein auf Onkologie spezialisiertes Zentrum in Marseille. Laut seinen Zahlen für 2024 verfügt es über 277 vollstationäre Betten, davon 20 für Intensiv- und Überwachungspflege, betreut 46 697 Patientinnen und Patienten aktiv und hat 327 Knochenmark-, Stammzell- oder CAR-T-Zell-Transplantationen durchgeführt. Das Institut gibt an, von der OECI als „Comprehensive Cancer Centre with Research Excellence“ akkreditiert zu sein.

Auch die AP-HM spielt in der Onkologie eine wichtige Rolle: Ihre Bilanz 2024 nennt rund 15 000 Krebspatienten in aktiver Behandlung, davon mehr als 600 Kinder. Die Kennzahlen 2023 führen zudem ein Zentrum für klinische Studien der frühen Phase (CLIP²) auf, das vom französischen Nationalen Krebsinstitut für Erwachsene und Kinder anerkannt ist. Für Sie heißt das konkret:

  • Hämatologie und Zelltherapie mit neuen Behandlungen wie CAR-T;
  • Kinderonkologie an der AP-HM, falls Ihr Herz für die Pädiatrie schlägt;
  • klinische Forschung im Arbeitsalltag, mit Frühphasenstudien, die gute Koordination und engmaschige Überwachung erfordern;
  • viele Einsatzbereiche: Station, Tagesklinik, Ambulanz und supportive Versorgung.

Immunologie und Infektionskrankheiten

Hier liegt Marseilles eigentliches Profil. Das Marseille Immunology Biocluster (MIB) wurde 2023 als eines der Biocluster von France 2030 ausgewählt, laut der Universität Aix-Marseille mit 97 Millionen Euro staatlicher Förderung. Es konzentriert sich auf Krebs, Autoimmun- und Infektionskrankheiten und vereint Universität, Inserm, CNRS, AP-HM, das Institut Paoli-Calmettes und das Wettbewerbscluster Eurobiomed.

Die Grundlagenforschung stützt sich unter anderem auf das Centre d'immunologie de Marseille-Luminy (CIML), 1976 gegründet und getragen von der Universität Aix-Marseille, dem CNRS und dem Inserm. Ebenfalls in Marseille angesiedelt ist das IHU Méditerranée Infection, ein universitätsklinisches Institut für Infektionskrankheiten.

Auch die Wirtschaft zieht mit: Eurobiomed, das Gesundheits-Wettbewerbscluster der Regionen Provence-Alpes-Côte d'Azur und Okzitanien, hat seinen Sitz in Marseille. Laut dem französischen Wirtschaftsministerium zählte es 2024 428 aktive Mitglieder; zu seinen Schwerpunkten gehören Onkologie und Infektiologie, passend zu den Stärken der Kliniken.

Für das klinische Personal zählt vor allem, was davon auf den Stationen ankommt: enge Verbindungen zwischen Labor und Klinik, Therapiestudien und Stellen in der klinischen Forschung (Study Nurse, Studienkoordination) zusätzlich zu den klassischen Stellen in der Versorgung.

Universitätsklinikum oder Fachinstitut: was passt zu Ihnen?

Die Wahl zwischen den beiden großen Häusern ist auch eine Frage des Arbeitsstils. Ein Universitätsklinikum mit mehreren Standorten wie die AP-HM bietet alle Fachrichtungen für Erwachsene und Kinder und damit die Möglichkeit, im Laufe der Jahre die Abteilung zu wechseln. Ein spezialisiertes Institut wie Paoli-Calmettes konzentriert sich auf ein einziges Fachgebiet: Wer sich gezielt in Onkologie oder Hämatologie vertiefen möchte, findet dort ein Umfeld, in dem Versorgung und Forschung eng verzahnt sind. Beide Wege sind sinnvoll; entscheidend ist, wohin Sie sich beruflich entwickeln wollen.

Ein praktischer Tipp: Notieren Sie vor einer Bewerbung, welche Abteilungen Sie interessieren, und informieren Sie sich auf den offiziellen Seiten der Einrichtungen über deren Tätigkeitsschwerpunkte. So können Sie im Gespräch gezielt nachfragen und zeigen, dass Ihre Wahl bewusst getroffen ist.

Für welche Gesundheitsberufe?

  • Ärztinnen und Ärzte: Zentren für Transplantation, Hämatologie, Erwachsenen- und Kinderonkologie mit enger Anbindung an die Forschung.
  • Pflegefachkräfte: Intensivstation, OP, Transplantation, Hämatologie, onkologische Tagesklinik, klinische Forschung.
  • Hebammen: die Geburtsklinik des Hôpital Nord, innerhalb eines Universitätsklinikums für Erwachsene und Kinder.
  • Physiotherapeuten: Rehabilitation nach Transplantation, Intensivmedizin, Begleitung onkologischer Patienten.
  • Aides-soignants: arbeiten auf allen Stationen, von der Akutversorgung bis zur Langzeitpflege. Ein deutscher oder österreichischer Abschluss in der Pflegeassistenz berechtigt nicht automatisch zur Tätigkeit als aide-soignant in Frankreich: Lesen Sie unseren Ratgeber.
  • Ergotherapeuten: Rehabilitation und Selbstständigkeit, vor allem nach langen Behandlungen.

Jede Einrichtung veröffentlicht ihre eigenen Stellenangebote: Erkundigen Sie sich direkt, welche Abteilungen einstellen, sobald Sie Ihren Umzug planen.

Leben in Marseille

Marseille ist eine große Hafenstadt am Mittelmeer und das Zentrum der Metropole Aix-Marseille-Provence. Sie ist zugleich Universitätsstadt mit der Universität Aix-Marseille und ihren medizinischen Fakultäten. Die Viertel unterscheiden sich stark: Schauen Sie sie sich vor der Unterschrift unter einen Mietvertrag an und prüfen Sie den Weg zur künftigen Klinik. Zur Vorbereitung lesen Sie unseren Ratgeber zur Niederlassung in Frankreich und unseren Artikel zum Wohnen. Zur Vergütung finden Sie unseren Artikel über Gehälter im Gesundheitswesen in Frankreich.

Von der Idee zum Antrag

Welcher Weg zur Berufsausübung in Frankreich für Sie gilt, hängt von Ihrem Beruf und Ihrem Abschluss ab. Beginnen Sie mit dem Ratgeber zu Ihrem Beruf: Ärztin und Arzt, Pflegefachkraft, Hebamme, Physiotherapeut, aide-soignant oder Ergotherapeut. Lesen Sie danach unseren allgemeinen Leitfaden zur Berufsausübung in Frankreich mit einem europäischen Gesundheitsabschluss.