In Paris und Umgebung liegen die meisten der 38 Universitätskliniken der AP-HP, zwei große Krebszentren, Gustave Roussy in Villejuif und das Institut Curie, sowie große Forschungsinstitute: das Paris Brain Institute (Institut du Cerveau), das Institut Imagine für genetische Erkrankungen und das Institut Pasteur. Laut der französischen Forschungsagentur ANR befinden sich 10 der 19 seit 2011 ausgewählten universitären Klinikinstitute (IHU) in der Region Île-de-France.
Sie haben Ihre Ausbildung oder Ihr Studium in Deutschland oder Österreich abgeschlossen, als Ärztin oder Arzt, Pflegefachkraft, Hebamme, Physiotherapeut, Ergotherapeutin oder Pflegeassistenz, und überlegen, wo in Frankreich Sie arbeiten möchten? Dieser Beitrag ist kein Leitfaden für Formalitäten. Er zeigt, welche Schwerpunkte Paris hat, welche Einrichtung was macht und was das für Ihren Berufsalltag und Ihre Laufbahn bedeuten kann.
Überblick: die AP-HP und die großen Pariser Institute
Zentrale Größe ist die Assistance Publique – Hôpitaux de Paris, der Verbund der öffentlichen Universitätskliniken von Paris. Laut ihrer Broschüre „L'AP-HP, l'essentiel 2025“ umfasste sie am 31. Dezember 2024 38 Krankenhäuser in 6 universitären Klinikgruppen mit 773 Abteilungen. Sie nennt 100 000 Beschäftigte, darunter 12 000 Ärztinnen und Ärzte sowie 760 Hebammen, mehr als 8 Millionen Behandlungen, 36 000 Geburten und 2 125 Transplantationen im Jahr, dazu 5 900 Einstellungen im Jahr 2024. Die AP-HP bezeichnet sich selbst als „1er CHU d'Europe“ (erstes Universitätsklinikum Europas) und als größten Arbeitgeber der Île-de-France.
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| Einrichtung | Schwerpunkt | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| AP-HP | Alle Fachrichtungen, Transplantation, klinische Forschung | 38 Krankenhäuser, 100 000 Beschäftigte (Ende 2024) |
| Gustave Roussy (Villejuif) | Onkologie, klinische Studien | 7 505 Patienten in Studien aufgenommen (2025) |
| Institut Curie (Paris, Saint-Cloud, Orsay) | Brustkrebs, Krebs bei Kindern, Augentumoren | 10 991 neue Patienten (2025) |
| Paris Brain Institute (Pitié-Salpêtrière) | Neurowissenschaften | 878 Beschäftigte, 26 Forschungsteams |
| Institut Imagine (Necker-Enfants malades) | Genetische Erkrankungen | Rund 30 000 ärztliche Konsultationen |
| Institut Pasteur | Infektionskrankheiten, Biologie | 3 213 Beschäftigte aus 93 Ländern |
Was Paris auszeichnet, ist die enge Verbindung von Versorgung und Forschung. Nach Angaben der AP-HP gehörten Ende 2024 zu ihren Kliniken 25 universitäre Klinikverbünde (FHU), 8 IHU und 4 integrierte Krebsforschungsstandorte (SIRIC), darunter einer für Kinder. Zudem gibt sie an, dass „die Hälfte der klinischen Forschung“ Frankreichs in ihren Häusern stattfindet. Auf Station heißt das: Teams, die mit Studienprotokollen vertraut sind und komplexe Fälle übernehmen, die andere Krankenhäuser überweisen.
Onkologie: von Villejuif bis ins Pariser Zentrum
Direkt südlich von Paris, in Villejuif, beschäftigt Gustave Roussy 4 000 Menschen. 2025 nahm das Zentrum 7 505 Patientinnen und Patienten in klinische Studien auf, bei 618 für die Rekrutierung offenen Studien: 40,5 % seiner Patienten nahmen an einer Studie teil. Gustave Roussy sieht sich selbst als führendes Zentrum in Frankreich und Europa bei der Zahl der Studienpatienten.
Rund um das Zentrum entstand der Paris-Saclay Cancer Cluster, im Dezember 2022 gegründet von Gustave Roussy, Inserm, dem Institut Polytechnique de Paris, Sanofi und der Université Paris-Saclay. Laut der Pressemappe France 2030 vom Mai 2023 umfasste er damals mehr als 48 Forschungsteams und mehr als 31 Start-ups. Dasselbe Dokument stellt das IHU PRISM vor, ein nationales Zentrum für Präzisionsmedizin in der Onkologie, getragen von Gustave Roussy mit Inserm, der Université Paris-Saclay, CentraleSupélec und Unicancer.
In Paris selbst arbeitet das Institut Curie an drei Standorten (Paris, Saint-Cloud und Orsay) mit rund 4 100 Forschenden, Ärzten und Pflegekräften. 2025 behandelte es 10 991 neue Patienten, es zählt 87 Forschungsteams. Seine Schwerpunkte: Brustkrebs, Krebserkrankungen bei Kindern und Augentumoren. Zwei IHU aus dem Jahr 2023 ergänzen das Bild: das IHU Frauenkrebs, gemeinsam mit dem Institut Curie, und THEMA-2, das sich Leukämien widmet.
Für alle, die aus einer onkologischen Abteilung in Deutschland oder Österreich kommen, bietet die Pariser Krebsmedizin viele Einsatzfelder: Tagesklinik, Station, Supportivtherapie, Chirurgie, Strahlentherapie und die Teams, die Studienpatienten betreuen.
Neurowissenschaften und genetische Erkrankungen
Auf dem Gelände des Krankenhauses Pitié-Salpêtrière, das zur AP-HP gehört, zählte das 2010 gegründete Paris Brain Institute im Geschäftsjahr 2023/2024 878 Beschäftigte, 26 Forschungsteams und 12 Technologieplattformen. Das Institut beschreibt die Pitié-Salpêtrière als „einen der größten Neurologie-Standorte Europas“. Forschung und Versorgung liegen hier Tür an Tür, und bei Erkrankungen des Nervensystems sind Rehabilitation und Begleitung im Alltag ebenso wichtig wie die Diagnose.
Genetische Erkrankungen sind die zweite große Stärke der Stadt. Das Institut Imagine liegt auf dem Campus des Krankenhauses Necker-Enfants malades (AP-HP). Es meldet rund 30 000 ärztliche Konsultationen, und 35 Teams von Necker wirken in 16 Europäischen Referenznetzwerken (ERN) mit, die Kliniken in der ganzen EU rund um seltene Erkrankungen vernetzen. Necker koordiniert selbst das europäische Netzwerk für seltene Hautkrankheiten.
Zu den 2023 ausgewählten IHU gehören außerdem InovAND zur neurologischen Entwicklung von Kindern, getragen von der Stiftung der AP-HP, und re-Connect zum Hören, getragen vom Institut Audition et Cognition mit dem Institut Pasteur. Der Biocluster Brain&Mind wiederum verbindet das Paris Brain Institute, das Institut de la Vision und die Stiftung FondaMental in den Bereichen Neurowissenschaften, psychische Gesundheit und Sinnesstörungen.
Infektionskrankheiten und Forschung: das Institut Pasteur
Laut seiner Kennzahlenseite (aktualisiert im August 2026) hat das Institut Pasteur 3 213 Beschäftigte auf seinem Pariser Campus, aus 93 Ländern, verteilt auf 143 Forschungseinheiten und 32 Plattformen. Das Institut verweist auf 10 Nobelpreise für Medizin seit 1907 und gibt an, dass das Pasteur Network 32 Mitgliedsinstitute zählt. Es ist kein Krankenhaus, sondern eine Forschungseinrichtung: interessant vor allem für Ärzte und Gesundheitsfachkräfte mit Neigung zu Biologie, Epidemiologie oder klinischer Forschung.
Schwere Infektionen werden auch klinisch erforscht. Das IHU PROMETHEUS, 2023 ausgewählt und von der Université Paris-Saclay getragen, widmet sich von Garches aus, westlich von Paris, der Sepsis. Für Beschäftigte aus Intensivmedizin, Notaufnahme oder Infektiologie ist das ein Feld, in dem Forschung und Arbeit am Patientenbett zusammenkommen.
Für welche Gesundheitsberufe?
- Ärztinnen und Ärzte: Mit 12 000 Ärzten und 5 300 internes (Ärzte in Weiterbildung) bei der AP-HP laut den Zahlen für 2024 bietet Paris eine sehr große Bandbreite an Fachrichtungen und Referenzabteilungen, oft mit Forschungsbezug.
- Hebammen: Die AP-HP nennt 760 Hebammen und 36 000 Geburten im Jahr 2024.
- Pflegefachkräfte: Onkologie, Neurologie, Intensivpflege, Kinderheilkunde am Necker; die AP-HP bildet ihren Pflegenachwuchs in 15 eigenen Pflegeschulen (IFSI) aus.
- Aides-soignants: Die AP-HP hat 9 eigene Ausbildungsinstitute (IFAS) für diesen Beruf. Wichtig: Ein deutscher oder österreichischer Abschluss in der Pflegeassistenz oder Pflegehilfe berechtigt nicht automatisch dazu, in Frankreich als aide-soignant zu arbeiten; mehr dazu in unserem Leitfaden zum aide-soignant.
- Physiotherapeuten und Ergotherapeuten: Neurologie, Kinderheilkunde und die Zeit nach einer Krebs- oder Intensivbehandlung erfordern langfristige Rehabilitation.
Diese Zahlen beschreiben die Größe der Teams, nicht offene Stellen. Sie zeigen aber, dass eine einzige Stadt allgemeine Krankenhäuser und hochspezialisierte Institute vereint.
Leben in Paris mit Klinik-Dienstplan
„In Paris“ arbeiten heißt oft: in der Île-de-France arbeiten. Gustave Roussy liegt in Villejuif, das IHU PROMETHEUS in Garches, das Institut Curie auch in Saint-Cloud und Orsay, Genopole in Évry-Courcouronnes. Wählen Sie deshalb zuerst den Arbeitsort und dann das Viertel oder die Gemeinde, mit Blick auf Nacht- und Wochenenddienste und den Arbeitsweg. Beginnen Sie die Wohnungssuche früh und fragen Sie Ihren künftigen Arbeitgeber, ob er bei der Unterkunft unterstützt.
Für die nächsten Schritte lesen Sie unseren Leitfaden zur Niederlassung in Frankreich, unseren Beitrag zum Wohnen für Gesundheitsfachkräfte und unseren Überblick über die Gehälter in Frankreich.
Von der Idee zum Antrag
Wie Sie in Frankreich arbeiten können, hängt von Ihrem Beruf und Ihrem Abschluss ab. Beginnen Sie mit dem Leitfaden für Ihren Beruf: Ärztin oder Arzt, Pflegefachkraft, Hebamme, Physiotherapeut, aide-soignant oder Ergotherapeut, und lesen Sie danach unseren allgemeinen Leitfaden für die Berufsausübung in Frankreich mit einem EU-Abschluss.
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