Straßburg liegt direkt am Rhein an der deutschen Grenze und ist zugleich eine der französischen Städte, in denen die minimalinvasive, bildgeführte Chirurgie entwickelt und gelehrt wird: Das IHU Strasbourg und das IRCAD teilen sich das Gelände mit den Universitätskliniken Straßburg (HUS). Dazu kommen Transplantationsmedizin, Humangenetik und eine seit Jahren gelebte medizinische Zusammenarbeit mit Baden.
Überblick: die Universitätskliniken und die großen Institute
Mittelpunkt ist das Universitätsklinikum, in Frankreich CHU genannt. Laut ihrer Willkommensbroschüre 2025 umfassen die Hôpitaux universitaires de Strasbourg fünf Einrichtungen mit knapp 2.500 Betten und tagesklinischen Plätzen sowie mehr als 13.000 Menschen. Rund um das Klinikum sorgen Forschungs- und Ausbildungsinstitute für ein eigenes Profil.
| Einrichtung | Schwerpunkt | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Universitätskliniken Straßburg (HUS) | Universitätsklinikum: Versorgung, Lehre, Forschung | Fünf Einrichtungen, darunter das Hôpital Civil, Hautepierre, die Robertsau und das CMCO; Organtransplantation |
| IHU Strasbourg | Minimalinvasive, bildgeführte Chirurgie | Gegründet 2011, auf dem Gelände des Hôpital Civil |
| IRCAD France | Aus- und Weiterbildung sowie Forschung in minimalinvasiver Chirurgie | 1994 in Straßburg gegründet, mit internationalem Netz von Zentren |
| Institut de génétique médicale d'Alsace (IGMA) | Humangenetik | Auf dem Gelände des Hôpital Civil |
| Institut Strauss | Krebszentrum (centre de lutte contre le cancer) | Früher Centre Paul Strauss; seit dem 1. Januar 2026 ist sein onkologisches Angebot von dem der HUS getrennt |
Zur Größenordnung: Die letzten detaillierten Kennzahlen der HUS, die wir finden konnten, beziehen sich auf 2021. Damals zählte das Hôpital Civil 795 Betten, Hautepierre 805, die Robertsau 334 und das CMCO 88. Die Zahlen haben sich seither verändert, das Bild bleibt: zwei große Klinikstandorte, ergänzt durch kleinere, spezialisierte Häuser.
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Bildgeführte Chirurgie: IHU und IRCAD
Dafür ist Straßburg bekannt. Das IHU Strasbourg, das „Institut für bildgeführte Chirurgie“, wurde am 28. November 2011 von öffentlichen und privaten Partnern gegründet, darunter die HUS, die Universität Straßburg, Inria und das IRCAD. Laut der französischen Forschungsagentur ANR wurde es bereits in der ersten nationalen Ausschreibung für universitäre Klinikinstitute (IHU) im Jahr 2011 ausgewählt und gehört zum Konsortium MEDITWIN, in dem sieben IHU an digitalen Zwillingen in der Medizin arbeiten.
Gleich nebenan widmet sich das 1994 gegründete IRCAD France der Aus- und Weiterbildung, Forschung und Innovation in der minimalinvasiven Chirurgie. Nach eigenen Angaben bildet es jedes Jahr mehr als 8.800 Fachleute mit über 880 internationalen Ausbildern weiter und betreibt ein Netz aus acht Zentren auf vier Kontinenten. Das IHU wiederum gibt an, Fachkräfte und Studierende aus 117 Ländern ausgebildet zu haben.
Was heißt das im Arbeitsalltag? Man arbeitet in einem Umfeld, in dem chirurgische Innovation zum Alltag gehört: Patientenversorgung, Forschung zur bildgeführten Chirurgie und die Weiterbildung von Chirurginnen und Chirurgen finden auf demselben Gelände statt. Für Chirurgen und Anästhesisten ist das ein Ort, an dem man dazulernt; für OP-Pflegekräfte bedeutet es Instrumente und Abläufe, die sich schnell weiterentwickeln. Eine Stelle ist damit nicht garantiert, aber das Arbeitsumfeld ist ungewöhnlich.
Transplantation und Humangenetik an den HUS
Die zweite Stärke ist die Transplantationsmedizin. Laut den Kennzahlen 2021 der HUS wurden in jenem Jahr 259 Transplantationen durchgeführt: 118 Nieren, 84 Lebern, 39 Lungen und 16 Herzen. Eine solche Aktivität beschäftigt eine ganze Versorgungskette, von der Koordination der Organentnahme über den OP und die Intensivstation bis zu Nachsorge und Rehabilitation.
Das zweite Fach, das man im Blick behalten sollte, ist die Genetik. Das Institut de génétique médicale d'Alsace (IGMA) liegt auf dem Gelände des Hôpital Civil, in direkter Nachbarschaft von IHU und IRCAD. Wer sich für seltene Erkrankungen und genetische Diagnostik interessiert, sollte sich Straßburg genauer ansehen.
Onkologie seit 2026
Zum 1. Januar 2026 hat sich die Landschaft verändert. Seitdem bieten das Krebszentrum Paul Strauss, heute Institut Strauss, und die HUS getrennte öffentliche Versorgungsangebote in der Onkologie an, bleiben aber am selben Standort in der Rue Albert Calmette 17. Wer in der Onkologie arbeiten möchte, sollte sich also bei beiden Einrichtungen informieren.
Über den Rhein hinweg: die deutsch-französische Zusammenarbeit
Für Sie als Fachkraft aus Deutschland oder Österreich ist das vermutlich der interessanteste Punkt. Ein deutsch-französisches Rahmenabkommen über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich, 2005 in Weil am Rhein unterzeichnet und seit dem 1. April 2007 in Kraft, verbindet auf französischer Seite die Region Grand Est mit Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.
In einer Pressemitteilung aus den 2010er-Jahren nannte der Eurodistrikt Straßburg-Ortenau zwei Beispiele: Seit 2006 durften deutsche Notärzte über den Rhein fahren, um Patienten zu versorgen, und seit 2009 behandelte eine gemeinsame medizinische Plattform des Epilepsiezentrums Kork und der HUS Menschen mit schwerer Epilepsie. Deutsch kann im Kontakt mit manchen Patienten ein echtes Plus sein. Wichtig ist aber: Diese Kooperation betrifft die Versorgung von Patienten, nicht die Anerkennung von Berufsabschlüssen. Wer in Straßburg arbeiten will, durchläuft den Weg, der für seinen Beruf in Frankreich gilt, und arbeitet auf Französisch.
Für welche Gesundheitsberufe?
- Ärztinnen und Ärzte: Chirurgie und Anästhesie rund um die bildgeführte Chirurgie, Transplantation, Genetik, Onkologie an den HUS oder am Institut Strauss. Lesen Sie unseren Leitfaden für Ärztinnen und Ärzte mit EU-Abschluss.
- Pflegefachkräfte: OP, Intensivstation, Transplantationsstationen, Onkologie. Lesen Sie den Leitfaden für Pflegefachkräfte.
- Hebammen: Das CMCO, ein medizinisch-chirurgisches und geburtshilfliches Zentrum, gehört zu den Einrichtungen der HUS. Lesen Sie den Leitfaden für Hebammen.
- Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten: Rehabilitation nach Operationen oder Transplantationen, auch nach Lungentransplantation. Lesen Sie den Leitfaden für Physiotherapeuten.
- Aides-soignants: Sie sind auf allen Stationen vertreten. Eine Ausbildung in der Pflegeassistenz berechtigt nicht automatisch dazu, in Frankreich als aide-soignant zu arbeiten: Lesen Sie unseren Leitfaden zum Beruf aide-soignant.
- Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten: Rehabilitation und Wiedererlangung der Selbstständigkeit nach schweren Klinikaufenthalten. Lesen Sie den Leitfaden für Ergotherapeuten.
Leben in Straßburg
Straßburg ist Universitätsstadt mit europäischem Profil und liegt am Rhein, an der deutschen Grenze. Die Stadt hat ein Straßenbahnnetz, und für viele Einwohner gehört Deutschland ganz selbstverständlich zum Alltag. Zur Vorbereitung Ihres Umzugs lesen Sie unseren Leitfaden zur Niederlassung in Frankreich und unseren Leitfaden zum Wohnen. Zur Vergütung finden Sie Orientierung in unserem Artikel zum Gehalt im französischen Gesundheitswesen.
Von der Idee zum Antrag
Die Entscheidung für Straßburg ist der erste Schritt. Welcher Weg Sie zur Berufsausübung führt, hängt anschließend von Ihrem Beruf und Ihrem Abschluss ab: Beginnen Sie mit dem Leitfaden Ihres Berufs oben und unserem allgemeinen Leitfaden für die Berufsausübung in Frankreich mit einem europäischen Gesundheitsabschluss. Und wenn Sie dabei begleitet werden möchten: Die Suxens-Warteliste ist offen.